Kurz zusammengefasst: Der GWP-Wert (Global Warming Potential) eines Kältemittels gibt an, wie stark 1 kg davon über 100 Jahre die Atmosphäre erwärmt – bezogen auf CO₂, das den Referenzwert 1 hat. Je höher der GWP, desto klimaschädlicher ist ein Kilogramm Kältemittel und desto strenger greifen Verbote und Prüfpflichten. Unten findest du die GWP-Werte aller gängigen Kältemittel in einer Tabelle – von R-404A (3922) über R-410A (2088) bis zu den natürlichen Kältemitteln Propan (3), CO₂ (1) und Ammoniak (0).
Der GWP-Wert Kältemittel ist eine Vergleichszahl: Sie sagt dir, wie stark ein Treibhausgas im Vergleich zu CO₂ wirkt. Fast alle Angaben im Kältemittel-Recht beziehen sich auf den GWP100 – also das Treibhauspotenzial über einen Zeithorizont von 100 Jahren. CO₂ dient dabei als Maßstab und hat definitionsgemäß den Wert 1. Ein Kältemittel mit GWP 2088 wirkt über diesen Zeitraum also so stark wie die 2088-fache Menge CO₂.
Für die Praxis zählt aber selten der GWP allein, sondern das CO₂-Äquivalent (CO₂e). Das rechnest du einfach aus:
CO₂e = Füllmenge (kg) × GWP
Ein Beispiel: In einer Anlage stecken 10 kg R-410A. Bei einem GWP von 2088 ergibt das 10 × 2088 = 20.880 kg, also rund 20,88 Tonnen CO₂-Äquivalent. Diese Tonnenzahl – nicht die Füllmenge in Kilogramm – entscheidet später darüber, wie oft die Anlage auf Dichtheit geprüft werden muss und ob sie unter ein Serviceverbot fällt.
Die folgende Tabelle listet die GWP-Werte der Kältemittel, die dir im Kälte- und Klimaalltag am häufigsten begegnen. Die synthetischen HFKW und ihre Blends stehen oben, darunter die HFO und die natürlichen Kältemittel mit sehr niedrigem GWP:
| Kältemittel | GWP (100 J.) | Typ | Einordnung / Status F-Gase-VO |
|---|---|---|---|
| R-23 | 14800 | HFKW (Tiefkälte) | extrem hoch – nur noch Nischen der Tiefkälte |
| R-143a | 4470 | HFKW | sehr hoch – Blend-Bestandteil |
| R-507A | 3985 | HFKW-Blend | über 2500 – Service-Frischwareverbot seit 2025 (Kälte) |
| R-404A | 3922 | HFKW-Blend | sehr hoch – Service-Frischwareverbot seit 2025 (Kälte) |
| R-125 | 3500 | HFKW | über 2500 – Blend-Bestandteil |
| R-422D | 2729 | HFKW-Blend | über 2500 – Retrofit-Gemisch für R-22 |
| R-452A | 2140 | HFKW/HFO-Blend | über 750 |
| R-410A | 2088 | HFKW-Blend | über 750 – Neugeräte-Verbote ab 2025/2029, Service-Grenze Kälte ab 2032 |
| R-407F | 1825 | HFKW-Blend | über 750 |
| R-407C | 1774 | HFKW-Blend | über 750 |
| R-134a | 1430 | HFKW | über 750 |
| R-449A | 1397 | HFKW/HFO-Blend | über 750 – R-404A-Ersatz |
| R-448A | 1387 | HFKW/HFO-Blend | über 750 – R-404A-Ersatz |
| R-32 | 675 | HFKW | unter 750, über 150 – leicht brennbar (A2L) |
| R-513A | 631 | HFKW/HFO-Blend | unter 750 – R-134a-Ersatz |
| R-454B | 466 * | HFO/HFKW-Blend | unter 750 – R-410A-Ersatz (A2L) |
| R-1234ze | 7 | HFO | sehr niedrig – vom PFAS-Verfahren potenziell betroffen |
| R-1234yf | 4 | HFO | sehr niedrig – vom PFAS-Verfahren potenziell betroffen |
| R-290 (Propan) | 3 | natürlich | sehr niedrig – brennbar (A3), EN 378 beachten |
| R-600a (Isobutan) | 3 | natürlich | sehr niedrig – brennbar (A3) |
| R-744 (CO₂) | 1 | natürlich | Referenzwert – Hochdruck-Technik |
| R-717 (Ammoniak) | 0 | natürlich | praktisch 0 – giftig (B2L), EN 378 beachten |
* R-454B: GWP 466 (IPCC AR4, 100 Jahre – der für die F-Gase-VO maßgebliche Bezug; AR5-Wert lt. Hersteller 467), nicht im BFS-Merkblatt aufgeführt. Quelle: Chemours Opteon XL41 (R-454B) Produktdatenblatt.
GWP-Werte gerundet nach dem Merkblatt „GWP-Werte“ der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik (auf Basis IPCC AR4, wie im F-Gas-Recht verwendet). Im neuen Recht können teilweise AR5-Werte gelten. Quelle: BFS-Merkblatt „GWP-Werte“ (PDF).
Die Tabelle zeigt ein klares Gefälle. Ganz oben stehen die klassischen HFKW und ihre Blends – R-404A, R-410A, R-134a und Co. Sie sind technisch ausgereift und nicht brennbar, haben aber GWP-Werte im vier- bis fünfstelligen Bereich. Genau diese Werte sind der Grund, warum sie nach und nach aus dem Markt gedrängt werden.
Die HFO (hydrofluorierte Olefine) wie R-1234yf und R-1234ze sind ebenfalls synthetisch, erreichen aber mit GWP-Werten von 4 bzw. 7 ein völlig anderes Niveau. Der Haken: Sie sind meist leicht brennbar (A2L) – und als fluorierte Stoffe stehen sie im laufenden PFAS-Beschränkungsverfahren der ECHA unter Beobachtung. Auch viele moderne Blends wie R-454B oder R-449A kombinieren HFO mit HFKW, um GWP und Sicherheitseigenschaften auszubalancieren.
Den niedrigsten GWP haben die natürlichen Kältemittel: Propan (R-290, GWP 3) für Splitgeräte und steckerfertige Kühlmöbel, CO₂ (R-744, GWP 1) in der Gewerbe- und Supermarktkälte, Ammoniak (R-717, GWP 0) in der Industriekälte. Sie sind regulatorisch auf der sichersten Schiene – bringen aber jeweils eigene Anforderungen mit: Propan und Isobutan sind brennbar (A3), Ammoniak ist giftig (B2L), CO₂ arbeitet mit hohen Drücken. Für Aufstellung, Füllmengen und Schutzmaßnahmen ist die EN 378 maßgeblich – der Umstieg ist also nie nur ein Kältemittelwechsel, sondern auch eine Sicherheitsfrage.
Der GWP ist keine abstrakte Umweltkennzahl – er greift direkt in deinen Wartungsalltag ein. Denn das aus GWP und Füllmenge berechnete CO₂-Äquivalent legt fest, wie oft eine ortsfeste Anlage auf Dichtheit geprüft werden muss:
| CO₂-Äquivalent der Anlage | Prüfintervall ohne Leckage-Erkennung | mit Leckage-Erkennungssystem |
|---|---|---|
| ab 5 t CO₂e | alle 12 Monate | alle 24 Monate |
| ab 50 t CO₂e | alle 6 Monate | alle 12 Monate |
| ab 500 t CO₂e | alle 3 Monate | alle 6 Monate |
Ein fest installiertes Leckage-Erkennungssystem verdoppelt die Intervalle. Details und Sonderfälle im Artikel zu den Dichtheitsprüfungs-Intervallen.
Das erklärt, warum zwei Anlagen mit derselben Füllmenge völlig unterschiedlich behandelt werden. Ein Beispiel: 5 kg R-404A ergeben 5 × 3922 = 19.610 kg, also rund 19,6 t CO₂e – die Anlage muss jährlich geprüft werden. Dieselben 5 kg als R-290 ergäben nur 5 × 3 = 15 kg CO₂e und lägen damit weit unterhalb der 5-Tonnen-Grenze, ab der die Prüfpflicht überhaupt greift. Ein hoher GWP bedeutet also nicht nur teureres Kältemittel, sondern auch mehr Prüftermine – und beides sollte in deine Beratung einfließen.
Gib Kältemittel und Füllmenge ein und der GWP-Rechner zeigt dir sofort das CO₂-Äquivalent und das fällige Prüfintervall – ohne dass du GWP-Werte nachschlagen oder von Hand multiplizieren musst.
Zum GWP-Rechner →Der GWP ist die Stellschraube, an der die neue F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 dreht. Die Grenzen werden Stufe für Stufe schärfer: Seit 2025 darf beim Service an stationären Kälteanlagen kein frisches Kältemittel mit GWP ≥ 2500 mehr eingesetzt werden – das trifft R-404A und R-507A direkt. Ab 2032 sinkt diese Service-Grenze für Kälteanlagen auf GWP ≥ 750, womit dann auch R-410A, R-134a und R-407C erfasst sind.
Deshalb lohnt sich der Blick in die Tabelle nicht nur für die aktuelle Wartung, sondern für die Planung: Jede Bestandsanlage mit hohem GWP ist ein künftiges Projekt. Den kompletten Zeitplan mit allen Neugeräte- und Serviceverboten findest du im Artikel zu den Kältemittelverboten 2025–2032, den größeren rechtlichen Rahmen im Überblick zur F-Gase-Verordnung 2024. Wer bei fluorierten Stoffen tiefer einsteigen will, findet Hintergründe in den F-Gas-FAQ des Umweltbundesamts.
Der GWP-Wert (Global Warming Potential) gibt an, wie stark 1 kg eines Kältemittels über einen Zeitraum von 100 Jahren zur Erderwärmung beiträgt – bezogen auf 1 kg CO₂, das den Referenzwert 1 hat. Ein Kältemittel mit GWP 2088 wirkt in der Atmosphäre also 2088-mal so stark wie CO₂. Aus dem GWP und der Füllmenge ergibt sich das CO₂-Äquivalent, das über Verbote und Prüfintervalle entscheidet.
Die niedrigsten GWP-Werte haben natürliche Kältemittel: Ammoniak (R-717) mit einem GWP von rund 0, CO₂ (R-744) mit GWP 1 und Propan (R-290) mit GWP 3. Auch synthetische HFO wie R-1234yf (GWP 4) oder R-1234ze (GWP 7) liegen sehr niedrig, sind aber keine natürlichen Kältemittel.
Das CO₂-Äquivalent (CO₂e) berechnest du, indem du die Füllmenge in Kilogramm mit dem GWP-Wert des Kältemittels multiplizierst: CO₂e = Füllmenge (kg) × GWP. Beispiel: 10 kg R-410A × GWP 2088 = 20.880 kg, also rund 20,88 Tonnen CO₂-Äquivalent. Das Ergebnis wird meist in Tonnen angegeben und bestimmt das Intervall der Dichtheitskontrolle.
R-32 hat einen GWP von 675 und liegt damit deutlich unter R-410A (2088), das es in vielen Geräten ablöst. Es ist aber kein natürliches Kältemittel, sondern ein HFKW – und mit 675 liegt es zwar unter der 750er-Grenze, aber weit über natürlichen Alternativen wie Propan (3) oder CO₂ (1). Zudem ist R-32 leicht brennbar (A2L).
Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand Juli 2026 vereinfacht wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die im F-Gas-Recht verwendeten GWP-Werte sowie der Text der Verordnung (EU) 2024/573.